"Das Gemeinschaftsgefühl war toll" - Rabea unterstützt junge Geflüchtete in den AWO-Wohngruppen in Bamberg

Über eine Arbeitsgemeinschaft (AG) ihrer alten Schule kam Rabea zum ersten Mal mit geflüchteten Jugendlichen in Kontakt. "Als die große Welle kam, wollte ich helfen. Dann habe ich 2016 von der AG erfahren und bin einfach mal hin", erzählt die 17-Jährige. "Wir waren rund 15 Schülerinnen und Schüler, die mehrmals im Monat mit den Flüchtlingen gekocht, Sport gemacht oder andere Dinge, wie zum Beispiel Kinobesuche, unternommen haben."

Die erste Begegnung fand in der Turnhalle in Scheßlitz statt. "Für mich war das zunächst schon ein komisches Gefühl", erinnert sich Rabea. "Ich hatte Angst, dass die Jungs mich nicht mögen könnten." Bei den anschließenden Gemeinschaftsspielen waren das komische Gefühl und die Angst aber schnell verflogen: "Auf den Mädchensportunterricht in der Schule hat immer keiner Lust. Hier war das anders. Jeder war motiviert, etwas zu machen. Das Gemeinschaftsgefühl war toll."

Viele neue Freunde gefunden

Bei einem Spiel mit Matten hat ihr einer der Jungs sogar die Hand gereicht und ihr dabei geholfen, die Matte im letzten Moment noch zu erreichen. Da war das Eis gebrochen. Inzwischen hat Rabea unter den geflüchteten Jugendlichen viele Freunde gefunden. Verständigungsprobleme gibt es mit den Jungen kaum. Sie sind schon seit ein, zwei Jahren in Deutschland und können die Sprache.

In den Wohngruppen für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge der AWO in der Bamberger Gartenstadt – in denen Rabea nach ihrem Schulwechsel nach Bamberg als Ehrenamtliche aktiv ist – ist das  noch nicht bei allen der Fall. Gerade die Jungs, die neu in unserem Land sind und deren Deutsch noch nicht perfekt ist, brauchen Unterstützung. "Ich habe selbst gelernt, mich mit Gesten und Bildern zu verständigen. Das hat sich einfach so entwickelt. Irgendwie klappt es schon", sagt Rabea. Einmal pro Woche kommt sie nach der Schule für zwei Stunden in die Wohngruppen. Hier bietet sie den Jungen Hilfe bei den Hausaufgaben an.

Die zwei Stunden pro Woche sind für Rabea fester Bestandteil ihres Stundenplanes. Als Last empfindet sie diese nicht. Ganz im Gegenteil: "Mir macht es Spaß, mit den Jungs zu reden", sagt die Schülerin. "Dabei kann ich auch viel von ihnen und ihren Kulturen lernen."

Andere Kulturen kennenlernen

Diese unterscheiden sich oft sehr von unserer. "Wir hatten einmal eine lange Diskussion: Die Jungs haben es nicht verstanden, dass wir hier in Deutschland Seniorenheime haben und uns nicht selbst zu Hause um unsere pflegebedürftigen Angehörigen kümmern", erzählt Rabea. "Sie konnten das einfach nicht nachvollziehen." Solche Gespräche findet Rabea besonders spannend. Ab und zu geht sie aber auch einfach mit den Jugendlichen zum Fußball spielen nach draußen. "Das macht Spaß und ist für mich wie Zeit mit Freunden."

Ihre Freunde aus der Schule finden es gut, dass sich Rabea ehrenamtlich für geflüchtete Jugendliche engagiert. Selbst engagieren wollen sie sich aber oft nicht. Manchmal laute die Begründung hierfür, dass dies "zu viel Stress" sei. Andere haben einfach keine Lust. Rabeas Familie findet es toll, dass sie sich engagiert. "Meine ältere Schwester hat sich früher auch für Geflüchtete eingesetzt, ist nun aber wegen ihres Studiums weggezogen. Jetzt habe ich übernommen."

Rabea würde sich freuen, wenn sich noch mehr junge Leute in Bamberg engagieren würden. "Für die Flüchtlinge wäre es gut, mehr Kontakt zu deutschen Jugendlichen zu haben. Das fehlt hier in Bamberg etwas." Auch für alle Bamberger kann sie ein solches Engagement nur empfehlen: "Man lernt viel für sich persönlich dazu. Man erfährt von Problemen, die wir hier so nicht kennen, weil wir ein wirklich gutes Leben haben. Und man findet neue Freunde."