„Es gibt nichts Schöneres, als mit Menschen zu arbeiten“ - Mit Mut und Leidenschaft absolvierte Alexandra Davis die Ausbildung zur Pflege-Fachkraft

„In der Altenpflege zu arbeiten war schon immer mein Traum“, sagt Alexandra Davis. Doch ihr Vater war gegen die Ausbildung. Heute ist Davis 40 Jahre alt. In diesem Jahr hat sie ihre Ausbildung zur Altenpflege-Fachkraft mit der Note 1,0 abgeschlossen und wurde für ihre herausragenden Leistungen mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Im AWO-Seniorenzentrum „Regnitz-Blick“ in Bischberg sind sie und ihre KollegInnen Tag und Nacht für die BewohnerInnen da.

„Ihr altes Schulzeugnis darf ich hier nicht vorlesen, das fällt unter Datenschutz“, sagte der Leiter der Altenpflegeschule, als er Davis im Sommer den Staatspreis überreichte. Als sie diesen Satz hörte, musste sie viele Jahre zurückdenken. „Ich war früher ein trotziger Teenager und hatte keine Lust auf Schule. Das Ergebnis war ein schlechtes Zeugnis.“ Sie begann eine Lehre zur Frisörin und brach diese wieder ab. Der Job habe ihr einfach keinen Spaß gemacht. Als sie 19 war, wurde ihre erste Tochter geboren. Anschließend ging die Bambergerin mit ihrem Mann für drei Jahre in die USA. Hier begann ihre Laufbahn in der Pflege.

„Die Geschwister meines Mannes sind in der Altenpflege tätig. Durch sie bin ich auch dazu gekommen“, so Davis. Doch die Strukturen seien mit den hiesigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. „Ich war quasi eine Helferin. Ich habe die Pflegebedürftigen gewaschen, bin mit ihnen einkaufen oder spazieren gegangen.“ Später kehrte sie aus familiären Gründen zurück nach Deutschland und hängte den Pflegeberuf zunächst wieder an den Nagel. Sie begann für einige Jahre in einem Versicherungsbüro zu jobben. Doch wie schon bei der Frisörlehre blieb auch hier der Spaß aus: „Dieses eintönige Sitzen am Computer, dafür bin ich nicht geboren.“

Ein ungeschliffener Diamant

Deshalb bewarb sie sich um eine Ausbildung zur Fachhelferin. „Ich wollte unbedingt zur Arbeiterwohlfahrt, da ich von Bekannten viel Gutes über den Verband gehört hatte und dieser auch vielfältige Möglichkeiten bietet.“ Kurz darauf kam tatsächlich die Zusage. „Meine Chefin hatte anfangs einmal zu mir gesagt, ich sei wie ein ungeschliffener Diamant“, erzählt Davis und lacht. Denn inzwischen ist klar: Die Chefin sollte Recht behalten. Nach einem sehr guten Abschluss zur Fachhelferin startete Davis direkt mit der Ausbildung zur Fachkraft.

Ihre Klasse in der Altenpflegeschule war gut gemischt. „Es gab auch einige Auszubildende in meinem Alter, somit fühlte es sich für mich nicht komisch an.“ Aber auch mit den jüngeren Mitschülern sei Davis gut zurechtgekommen. „Wir Älteren konnten den Jüngeren mit unseren Erfahrungen unter die Arme greifen. Umgekehrt haben aber auch wir von den Ideen der Jüngeren profitiert.“

Klar gab es auch schwierige Momente: „Ich habe einen Haushalt und eine Familie mit zwei Töchtern, die in der Zeit meiner Ausbildung oft zurückstecken mussten“, erinnert sich Davis. Doch sie lernte, Prioritäten zu setzen. „Ich wurde von meiner Familie unterstützt so gut es ging, aber manchmal musste auch die Schule hinten anstehen.“ Und wenn es einmal gänzlich an Motivation mangelte, dann waren ihre Chefin und die KollegInnen stets mit aufmunternden Worten zur Stelle. Manchmal habe sich Davis auch einfach gedacht: „Einmal kurz durchatmen, und weiter geht’s!“ 

Unterstützung des ganzen Teams

Beratungs- und Angehörigengespräche, die Grundpflege, der Austausch mit Ärzten sowie Medikamente sind Themen, mit denen sich die frisch ausgebildete Altenpflegerin nun tagtäglich beschäftigt. Das ist viel Verantwortung, in die man erst „hineinwachsen“ muss. Dabei kann Davis aber auf die Unterstützung des ganzen Teams zählen.

Von Langeweile oder mangelndem Spaß gibt es in ihrem neuen Beruf keine Spur. „Die Pflege ist nach wie vor mein Traumjob. Nichts wird mich mehr davon abbringen. Wenn die pflegebedürftigen Menschen mich anlächeln oder einfach nur kurz meine Hand nehmen, dann ist das etwas ganz besonderes. Man bekommt so viel zurück.“

Davis ist sehr stolz auf ihre Leistungen der vergangenen Jahre. Und auch ihr Vater hatte im Laufe der Zeit seine Meinung über die Berufung seiner Tochter geändert. „Vielleicht hat mein Vater die Altenpflege erst zu schätzen gelernt, als er später selbst auf Unterstützung angewiesen war.“ Deshalb empfiehlt Davis heute selbstbewusst allen, die ein offenes Herz haben, das für die Pflege schlägt: „Nehmt allen Mut zusammen und erlernt diesen Beruf. Es gibt nichts Schöneres, als mit Menschen zu arbeiten.“